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4 In der Arena


Kein Zweifel, die Spiele im alten Rom waren so grausam, dass man sich fragen muss, ob die Bezeichnung 'Spiele' in diesem Fall angemessen ist. Wo an 3 Tagen weit über 1000 Menschen getötet und an einem einzigen Tag 5000 Tiere - Elefanten, Löwen, Krokodile, Nashörner, Tiger, Gnus, Elche, Stiere, Bären etc. - getötet wurden, liegt es näher, von 'Massaker' oder 'Gemetzel' zu sprechen.
Wer so fragt und urteilt, ist bestimmt in einem Land zuhause, in dem die Todesstrafe und andre Formen von Menschenopfern längst abgeschaftt und indiskutabel sind. Die Römer aber verdankten alle ihre Macht dem Krieg und der Erziehung zum Krieg. Gerade weil die Gladiatorenkämpfe todernst und tödlich waren, vermochten sie die Römer zu fesseln. Der Nerv der schlachterprobten Zuschauer brauchte starke Reize, um überhaupt noch zu reagieren.
Die Arena war ein Kriegsschauplatz in des Wortes eigenster Bedeutung, für die Zuschauermassen ein sicherer Schauplatz, für die Gladiatoren und Tiere ein Krieg, in dem sehr viel Blut floss. Die Veranstaltung mit festen Regeln machte aus der Schlacht ein blutiges Ritual. Dazu gehörte unter anderem die Vorbereitung der Kämpfer in eigens zu diesem Zweck geschaffenen Gladiatorenschulen. Schließlich wollten die Veteranen unter den Zuschauern einen richten Kampf erleben, einen Nahkampf, den sie selbst womöglich ein, zwei mal mit knapper Not überlebt hatten.
Wenn ein Gladiator besiegt am Boden lag, blickte der Sieger hinauf zur Kaiserloge. Zeigte der Daumen des Herrschers nach oben, hieß das: Lass ihn leben! Aber meist wies der kaiserliche Daumen zum Jubel der Römer nach unten. Das hieß: Töte ihn! Und der Gladiator gehorchte.
Zum besseren Verständnis der grausamen Spiele empfiehlt es sich, eine Bemerkung des größten Römers zu lesen. In seinem Werk über die Natur schrieb Lukrez: Schön ist es, vom sicheren Land aus den Seemann zu sehen, wie er draußen auf dem Meer mit Sturm und Wogen kämpft.
Schön sei nicht etwa das Gefühl der Schadenfreude über die Not des anderen, sondern die Erfahrung, einen Augenblick lang frei von Unglück und Leid zu sein. Lukrez bezieht sich nicht auf die Schauerspiele im Colosseum, erwähnt auch nicht das Elend, dem die meisten Römer entflohen, wenn sie in die großen Spielhöllen drängten. Auf Stunden oder Tage konnten sie sich dort der Illusion hingeben, noch nicht ganz mit ihrem Latein am Ende zu sein, konnten den sicheren Platz des Betrachters einnehmen und sorglos außerhalb der Todeszone mit dem Gottkaiser da drüben hinabschauen auf die noch Elenderen da unten in der Arena.
Berechnet als Droge für die unberechenbaren Massen in der Millionenstadt Rom wurden die Spiele kostenlos verabreicht wie die Getreidezuteilungen. Panem et circenses. Brot und Spiele.


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