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2 In der Liebe


Man merkt's am Gesinge, Gesende, Gereime, Gefilme und Geflüster: Nichts ist so in, ohne je out zu sein, wie die Liebe. Das unerschöpflichste Thema der Kreativen und Krakeeler aller Art.
In der kindlichen Vorstellung ist Liebsein unvereinbar mit Wehtun. Dass aber die zwischenmenschliche Beziehung, die man Liebe nennt, mehr Farben hat als immer nur Rosarot, das plärren schon die Schnulzen. Der gängigste Reim auf 'Herz' ist eben doch 'Schmerz'. Daran hat sich seit Goethe nichts geändert. Trotzdem feierte der Reimer aus Weimar die Liebe als 'Krone des Lebens'.
Vielleicht noch treffender und schöner als dieser Vergleich mit der königlichen Kopfbedeckung ist das Lob, das die Inder der Liebe zollten mit dem Sanskrit-Wort 'kridaratnam'. Es heißt so viel wie 'Juwel der Spiele'.
Wer das Spiel kennt, wird wissen, dass es keinem anderen nachsteht in puncto Spannung, Dauer und Einsatz und alles übertrifft an Lustgewinn und Glücksgefühl - im Falle des Gelingens.
Immens wie das Glück der Teilnahme ist auch das Spielfeld, besser gesagt: das elysische Gefilde. Weit reicht es über den Garten der Lüste hinaus zu den Felsen des Herzens und weiter bis in den Sternraum der Träume. Doch gilt auch hier: Dem Höchstgewinn steht der größtmögliche Verlust gegenüber. Leidenschaftliche Liebe nimmt nicht selten ein hässliches Ende.
Noch ehe aber das schönste Spiel verdorben ist, noch ehe es in Hass und Eifersucht verkommt, am verheißungsvollen Anfang schon ahnen manche den bitteren oder faden Nachgeschmack.
Irgendeine Ungereimtheit, die zunächst gar nicht stört oder vielmehr als besonderer Reiz empfunden wird, durchkreuzt vielleicht mit der Zeit das Fair Play und führt in die Einbahnstraße der Enttäuschung. Wie schmerzhaft die 'Auseinander-Setzungen' vor dem endgültigen Aus sind, hängt natürlich von Takt und Einsicht der Beteiligten ab. Dass sie fast immer peinigen, zeigt den möglichen Übergang von Liebe zur Gewalt an. Im Hit heißt es verkürzt: "Love is a battlefield", die Liebe ein Schlachtfeld.
Direkt zur Sprache gebracht ist die Verquickung von Liebe und Gewalt im Wort 'Vergewaltigung'. Aber das ist doch nur ein Schatten der Liebe, könnte jemand einwenden. Bei genauerem Hinsehen jedoch ist es eine Frage der Dosierung. Wo fängt das an, das "Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt"? Beim dreisten Anquatschen und Betatschen? Beim Telefonterror? Bei der gefährlichen Verfolgungsfahrt? Oder aber beim übermäßigen Schenken? Beim schmachtenden Dauerbelagerungszustand? Bei der besitzergreifenden, der gekauften Liebe? Beim Sextourismus?
Ja, ist nicht überhaupt jede Umarmung eine Art vorübergehender Festnahme? Das Willkommen macht daraus eine Befreiung. Wo das Miteinander ins geringste Gegeneinander übergeht, beginnt die Gewalt.


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