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2 Kalenderzeiten


Manchmal ist es ein bedeutender Augenblick, wenn der alte Kalender ausgedient hat und durch den neuen ersetzt wird. Seufzer der Erleichterung oder aber der Wehmut verabschieden womöglich den alten, Hoffnung oder aber eine düstere Vorahnung wabert um den neuen Tagezähler.
Meist wird die mehr oder minder dekorativ aufgemachte Tabelle von Tagen, Wochen und Monaten routinemäßig ausgetauscht. Aber fällig ist der Kalenderwechsel auf jeden Fall zum Jahreswechsel, einem Zeitpunkt, der die Wintersonnenwende nur um 10 Tage verfehlt. Das Ereignis will ordentlich vorbereitet sein.
Nach Auskunft der Buchhändlerin kommen die ersten Vertreter mit den neuen Tabellen fürs nächste Jahr bereits im Sommer. Spätestens im Oktober ist der Erfolg ihres Werbens nicht mehr zu übersehen. Auch noch der kleinste Papier- und Buchladen hat dem Jahrmarkt der Jahresware ein paar Meter Ladenfläche eingeräumt. Wohlweislich, denn das Geschäft lohnt sich. Der Artikel geht gut. Beinahe jeder Kunde kauft 3 Exemplare. Wer könnte leben ohne den Blick auf den Kalender?
Die Hersteller haben sich in diesem Jahr wieder alle Mühe gegeben. Jede Farbe, jedes Format, jede Funktion ist zu haben. Nichts fehlt. Ein Musterbeispiel beglückender Marktwirtschaft.
Aber bitte: Fragen Sie nicht nach einem Kalender aus einer anderen Zeitrechnung!
Nun, was wollen Sie auch, sagen wir, mit einem chinesischen Kalender anfangen? Oder macht Ihnen etwa das Umrechnen von einer Zeit in eine andere besonderen Spaß?
Nur ein paar Daten aus dem chinesischen Kalender: Das Jahr beginnt am 4. Februar. Wochen gibt es nicht. Also auch keine Wochenenden. Man rechnet in Zyklen von je 60 Tagen, deren jeder mit einem Doppelnamen gekennzeichnet ist.
Nach der chinesischen Zeitrechnung haben wir [hatten wir vor 8 Jahren] das Jahr 4631; doch wird in Zyklen von je 60 Jahren gezählt. Das heißt, wir leben [lebten vor 8 J.] im elften Jahr des 78. Zyklus.
Das Schöne an der Kalenderei ist, dass es nicht etwa nur 2 oder 3 davon gibt, sondern zig. Jeder Kult hat seinen Zeitzähler.
Nun tut man innerhalb der großen Kulturkreise traditionell so, als gäbe es nur den einen, den allein gültigen. Wer also seine Kalenderzeit nicht per Gedanken- oder Weltreise verlässt, findet die gewohnte Zeiteinteilung so selbstverständlich wie der Aquariumfisch seine künstliche Umgebung.
Angesichts der stets dichter vernetzten Welt hört der Spaß an der Kalendervielfalt allmählich auf. Das Umrechnen wird nicht nur lästig, sondern manchmal sogar gefährlich. Es erhöht die Irrtumsrate unnötig.
Auf die Dauer wird es deshalb den diversen Kalendern ebenso ergehen wie den regionalen Maßen 'Klafter', 'Elle', 'Lot' und 'Heller'. Sie werden globalen Einheiten weichen müssen. Hoffentlich sind die künftigen Tagezähler so vernünftig wie die Maße und Gewichte des metrischen Systems, die wir der europäischen Aufklärung verdanken. Denn die überkommenen Kalender sind alles andere als klar und durchdacht.
Soweit wir wissen, ist der älteste brauchbare Kalender der altägyptische Sonnenkalender, auf den der westliche zurückgeht. Er wäre sogar besser als der jetzt verwendete, wenn die Römer ihn nicht arg verschlimmbessert hätten.
Bis jetzt war die UNO nicht in der Lage, eine Kalenderreform anzugehen und einen konsensfähigen Weltkalender vorzulegen.


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