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5 Weltbild


Vor bald 30 [inzwischen 35] Jahren erschien der Klassiker des Club of Rome, ?Die Grenzen des Wachstums?. Darin findet sich neben vielen anderen Diagrammen und Tabellen ein Koordinatensystem, die »Aussichten der Menschheit« darstellend. (Die Wortwahl beruht wahrscheinlich auf einem Übersetzungsfehler, denn es geht in der Grafik schlicht um den Horizont bei verschiedenen Menschen, genauer: die Reichweite individueller Gedanken und Interessen in Raum und Zeit.)
Es erscheint plausibel, was die Statistik zeigt: Die allermeisten Menschen können nicht über den Tellerrand ihrer persönlichen Nöte und Sorgen hinaus denken. Die unmittelbare Daseinsbewältigung beansprucht ihre ganze Kraft und Aufmerksamkeit. Auch in ruhigen Stunden heben sie den Blick nicht, weil ihnen die zur Orientierung in der Welt erforderlichen Begriffe fehlen.
Selbst die Minderheit der Gebildeten blickt meist nicht über ihre eigene Lebensspanne hinaus. Von Weltoffenheit kann auch bei ihnen nur ausnahmsweise die Rede sein. Die Grenzen der eigenen Nation, Konfession, Kaste und Sprache verlassen sie nur scheinbar und vorübergehend, zum Beispiel auf Reisen.
Seit einer Generation nun schon bestätigt die politische, wirtschaftliche, ökologische und demographische Entwicklung nicht nur die düsteren Prognosen der Experten, die im Auftrag des Club of Rome den ganzen Planeten in den Blick nahmen, im sogenannten Weltmodell; in puncto Klima und Aids sind neue Bedrohungen hinzugekommen.
Es gibt viele Gründe, warum trotz allem keine Wende zum Besseren auf Weltniveau zu erkennen ist. Das Waffengeschäft blüht wie nie, eine ökologische Katastrophe jagt die andere, und die Weltbevölkerung ist weiterhin exponentiell 'guter Hoffnung'. Deutsche wie Chinesen freuen sich über hohe wirtschaftliche Wachstumsraten. Die Damen und Herren auf der Kommandobrücke folgen dem Beispiel des Kapitäns der Titanic.
Eine Voraussetzung für die Kurskorrektur wäre eine Welt-Schule, die den Heranwachsenden der nächsten, der leidtragenden Generation weltweit Einsichten in die wahre Lage der Menschheit vermittelte.
Herkömmliche Schulen können das nicht leisten. Fächer wie Geschichte, Erdkunde und Gesellschaftslehre kümmern als 'Nebenfächer' dahin, mal abgesehen von den Inhalten, die weltweit kritisch gesichtet werden müssten. Ansätze gibt es im internationalen Schulbuchvergleich.
Statt an Verbesserung zu denken, werden auch hierzulande Versuche unternommen, das miserable Schul-Weltbild noch zu verschlechtern, etwa durch die Stärkung des Mythischen gegenüber der Wissenschaft im Fall der Evolutionstheorie.
Die Massenmedien könnten das eine oder andere Defizit theoretisch ausgleichen, theoretisch; in der Praxis unterliegen die Medien ihren eigenen Zwängen, sind Gemischtwarenläden wie die Schulen und tragen als solche so viel zur Erhellung der Welt bei, wie sie gleichzeitig zu ihrer Verfinsterung tun.
Für billigen Ersatz ist in jedem Fall gesorgt. Hokuspokus und Horoskope, Kaffeesatzweisheiten für alle Lebenslagen, esoterische und sportliche Übungen, Spielhöllen und Traditionsfeste mit Schnaps, mythische Sprüche und mystische Versenkungen, nicht zuletzt die Scheinwelten auf den diversen Bildschirmen.
Das alles verkleistert den Blick, zäunt den Horizont ein, ohne dass die Geschädigten es als negativ erfahren, sondern im Gegenteil wie alle die Benebelten und Berauschten womöglich irgendwas von Bewusstseinserweiterung lallen.
Das Angebot des Wissenschaftsjournalismus kann die verschatteten Weltbilder nicht aufhellen, weil die Einschaltquoten dem Diktat der Desinteressierten unterliegen etc.
Die Musik spielt weiter. Es darf getanzt werden ...


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