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4 Weltformel


Indien hat eine viel längere Denktradition als Europa. Vor 3000 Jahren gab es am Indus schon Städte. Als Mahavira und Buddha ihre Lehren auf dem Subkontinent verbreiteten, war es dort kulturhistorisch bereits Mittag, während es im Abendland allenfalls dämmerte. Der Unterschied an Erfahrung bleibt wahrscheinlich nicht folgenlos.
Die Dschainas unternahmen, soweit wir wissen, welthistorisch zuerst den Versuch, gewaltfrei zu leben. Sie haben vor wenigstens zweieinhalbtausend Jahren die Gewalt als Hauptursache menschlichen Leidens erkannt und konsequent die Gewaltlosigkeit, auch gegenüber Tieren, zum höchsten Gebot (ahimsa) erhoben.
Ravi, unser Guru aus Süd-Indien, verbindet Einsichten aus seiner Weltregion mit dem Besten aus dem Westen. So schafft er ein Amalgam, das bessere Eigenschaften hat als die Komponenten.
Ravis Weltformel liegt das Koordinatensystem zugrunde.
Das mathematische Achsenkreuz aus seiner verspielten Abstraktheit zu erlösen und für ganz praktische Zwecke einzusetzen, ist nicht besonders originell, eher alltägliche Übung. Wenn ein Betrieb zum Beispiel seine steigenden Umsätze dem staunenden Publikum recht anschaulich vor Augen führen will, muss die Matrix her, in der die X-Achse als Zeitschiene dient; darüber klettert dann die Fieberkurve der Konjunktur von niedrigen Y-Werten unten links zu den Y-Gipfeln rechts oben hinauf.
Nach dem gleichen Schema werden Klimadaten, Bevölkerungswachstum, Arbeitslosigkeit, Kaufkraft, Scheidungsraten etc. in Diagrammen dargestellt. Auch das Gradnetz der Erde ist eine Anwendung des guten alten Koordinatensystems. Sogar die unfassbare Zeit kann mit Hilfe der X- und Y-Achsen anschaulich und berechenbar gemacht werden: Im Zifferblatt der (analogen) Uhren ist das Achsenkreuz nicht auf den ersten Blick zu erkennen; aber um sechs Uhr strecken sich die Zeiger zur Y-Achse, und um etwa eine Viertelstunde vor 3 mimen sie die X-Achse.
Das Neue an Ravis Koordinaten ist die ethische Dimensionierung. Er hat das scheinbar Unvereinbare - Mathematik und Ethik - zusammengebracht. Unvorstellbar fürs westliche Denken. Die einzig möglichen Verbindungen von Zahl und Moral scheinen im Westen die Zahlungsmoral und die Kriminalstatistik zu sein.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass ein Inder als erster die Quadratur des Kreises meistert, hat doch das indische Denken in beiden Bereichen schon früh Pioniertaten für die Menschheit vollbracht, in der Mathematik wie in der Ethik.
Ravis Synthese ist von genialer Einfachheit. Die Y-Achse hat er zur Tat-Achse erklärt, auf deren positivem Ast das dem Leben Förderliche, auf deren negativem Ast das dem Leben Schädliche dargestellt wird. Vom Nullpunkt steigen die positiven Werte mit der Effektivität der Hilfeleistung an, spiegelbildlich darunter nehmen die negativen Werte zu mit dem Grad der Gewalt.
Die X-Achse ist die Geist-Achse. In ihrem Minusbereich regiert der Wahn, im Plusbereich das Wissen.
Vom Ursprung des ethischen Koordinatensystems wächst der Wahn von harmlosen Formen wie der optischen Täuschung bis zum "schrecklichsten der Schrecken", dem Mythos mit Herrschaftsanspruch; auf der andern, der positiven X-Achse, weitet sich das Wissen vom engen Kreis des Kinderzimmers zum Welthorizont der Weltexperten.
Vier Richtungen hat Ravis ethischer Kosmos. Vierdimensional ist Einsteins physikalisches Weltmodell. Beide beanspruchen Universalität und verändern schon durch diesen Anspruch die Welt.


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