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5 Beim Fußball


Im Jahrhundert der blutigsten Kriege, das heißt, der größten Gewaltverbrechen, ist oft behauptet worden, der technische Fortschritt sei ja nicht zu leugnen, vom ethischen Fortschritt aber sei nichts zu sehen. Doch so ganz will die letzte Feststellung nicht einleuchten.
Vergleichen wir z.b. die römischen Spiele vor 2000 Jahren mit dem Massenmagnet Fußball heute! Im Colosseum wurden planmäßig Menschen geopfert - zum Vergnügen der Zuschauer. In einem Fußballstadion der Bundesliga versuchen die Mannschaften viele Tore zu schießen und viel Geld zu verdienen zu ihrem Vorteil und zum Vergnügen der Zuschauer. Wenn das kein ethischer Fortschritt ist!
Sicher, auch heute noch gibt es blutige Spiele wie den Stierkampf, das fröhliche Abknallen der zur Jagd freigegebenen Tiere etc. Grausame Überreste aus grauer Vorzeit, die von einer geo- und soziographisch beschränkten Klientel tradiert werden. Im Gegensatz zum Fußball mit seiner breiten Massenbasis, wenigstens in Europa und Latein-Amerika. Bei Meisterschaftsspielen schauen viele Millionen dem Match auf dem grünen Rasen zu. Am Bildschirm, versteht sich. Die vergleichsweise wenigen Zuschauer im Stadion werden dabei öfters zu Mitspielern am Rande. Viele Fans mögen sich mit der Statistenrolle nicht begnügen und versuchen sich als Helden im Abseits.
Trotzdem: Die Fußballspiele als Schauspiele für viele beweisen einen unleugbaren ethischen Fortschritt gegenüber Altrom mit seinen Blutspektakeln. Nicht mehr der gegnerische Körper soll getroffen werden, sondern der Ball und mit ihm das gegnerische Tor.
Entscheidend für den neuen Geist der Spiele ist die Kontrolle durch die Unparteiischen, die über die Einhaltung der Regeln wachen. Gemeine Verstöße können sie mit der roten Karte ahnden.
Das Publikum ist meist parteiisch. Das Stadion ist keine moralische Anstalt, wohl aber eine Messlatte für den ethischen Standard unterschiedlicher Jahrtausende. Das ist nicht zu hoch gegriffen, sieht man das massenwirksame Gekicke vor der finsteren Kulisse der altrömischen Spiele.
Unschöne Szenen und Verletzungen sind unvermeidlich, denn das Fußball-'Spiel' ist ein Kampfsport. Unsanfte Rempler und überreizte Reaktionen bleiben im Eifer des Gefechts nicht aus.
Schlimmer als die Entgleisungen auf dem Rasen sind oft die Szenen am Rande, wo Schlachtenbummler, die es lieber altrömisch hätten, den Kickern manchmal die Schau stehlen.
Doch sollten sie nicht die ganze Aufmerksamkeit ablenken vom 'Spiel' der politischen und kommerziellen Strippenzieher. So übernehmen die hochdotierten Profiballermänner schon mal die Rolle von Elitesoldaten, deren Kampfkraft den Sold und das Nationalgefühl in ungeahnte Höhen schießen lassen.



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