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8 Beim Spiel um Geld


Nicht ohne Grund heißt das bekannte Spiel "Mensch, ärgere dich nicht!" Der Ärger ist programmiert. Wenn ein Mitspieler das Pech hat, wiederholt rausgeworfen zu werden, muss er, sie oder es - ein Kind vor allem - die Enttäuschung wegstecken, die ein aussichtsloses Rennen mit sich bringt.
Eigentlich könnten die Verlierer (stets in der Mehrheit) sich damit trösten, dass nicht sie, sondern der Zufall das Spiel gemacht und verloren habe. Welches Kind aber dächte so? Und vielleicht soll es das auch gar nicht. Vielleicht ist es Absicht, dass die Kleinen beizeiten spielend lernen, Enttäuschungen zu ertragen, damit sie ein wenig vorbereitet sind auf den 'Ernst des Lebens'.
Doch ist das Kinderspiel, von dem hier die Rede ist, noch recht human. Immerhin gewinnt jeder vierte Mitspieler. Und falls, wie nicht selten, nur drei oder zwei um die Wette würfeln, verbessert sich das Verhältnis Sieger/Verlierer sogar auf 1 zu 2 oder 1 zu 1.
In den sogenannten Glücksspielen der Erwachsenen sieht es mit den Gewinnchancen meist unvergleichlich schlechter aus. Da kommt auf 100 oder 1000 Würfe, Lose oder Nieten vielleicht gerade mal ein Treffer. Beim Lotto liegt die Wahrscheinlichkeit auf den Hauptgewinn bei etwa 1 zu 14 Millionen.
Entweder wissen die Leute das nicht, oder sie können sich das nicht vorstellen und versuchen 'ihr Glück' immer wieder, oft lebenslang. Zu verlockend winkt die bloße Möglichkeit, für einen geringen Einsatz über Nacht reich zu werden oder doch angenehm überrascht durch einen nennenswerten Nebengewinn.
Mit der Bezeichnung 'Glücksspiel' hat es so seine eigene Bewandtnis. Ist es etwa kein Glück, dass Millionen Menschen Trost und Hoffnung schöpfen aus der bloßen Vorstellung, irgendwann einmal das große Los zu ziehen? Und dann erst die Gewinner, können, nein, müssen sie nicht von Glück sagen, dass sie praktisch ohne Gegenleistung, das heißt, spielend in die Millionärsschicht aufsteigen? Womöglich von ganz unten wie im Schlaf mehrere Klassen überspringen und in der High Society aufwachen. Traumhaft.
Übrigens sind auch die Regierenden glücklich mit der Bezeichnung 'Glücksspiele'. Eine Umbenennung von Amts wegen etwa in 'Wetten mit wenig Aussicht auf Gewinn' steht nicht zu befürchten. Der Finanzminister wettet gar nicht und gewinnt trotzdem. Mehr als alle ehrlichen Spieler. Er weiß das Glück zu schätzen, das ihm die Spiele in Form von Spielsteuern bescheren. Da fällt so einiges ab, kaum weniger als beim Goldesel im Märchen.
Ein ganz anderes Glück als das leicht erspielte möchte uns das Sprichwort einhämmern: "Jeder Mensch ist seines Glückes Schmied." Offenbar ein völlig veraltetes Verfahren, sein Glück zu machen. Wo hört man denn heute noch die wuchtigen Schläge der Schmiede? Wer zwingt noch sein Glück zwischen Hammer und Amboss? Völlig out und, sagen die Kenner, wo bleibt da das Spiel? Schmiede schuften in der schmutzigen Werkstatt. Das Glück aber ist ein Geschenk.
Der Weg zur nächsten Spielhölle ist nicht weit.


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