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7 In der Wissenschaft


Sobald Kinder sprechen können, sind sie auch imstande, Fragen zu stellen. Manchmal verblüffende Fragen.
Die Erwachsenen geben Antwort, so gut sie können. Es folgt eine weitere Frage. Erfreut über den Wissensdurst der Kleinen, beeilen sich die Großen, nach bestem Wissen und Gewissen des Rätsels Lösung anzubieten.
Aber ohne den Satz bis zum Punkt anzuhören, hat der Winzling schon die nächste Frage gestellt. Dem Erwachsenen geht auf, dass gar kein bestimmtes Wissen das Ziel ist, sondern ein Spiel, das Frage-und-Antwort-Spiel der Kleinkinder.
Wenn nach dem gleichen Muster ein Quiz-Abend im Fernsehen liefe, wäre das bald langweilig. Also sattelt man etwas drauf nach dem Geschmack der Erwachsenen, peppt die schlichten Fragen durch Wettkampf, Glücksspiel und Show auf.
In einer anderen Hochform des kindlichen Fragespiels, in der Wissenschaft, geht es im Allgemeinen etwas ernsthafter um bestimmte Fragen und Antworten. Aber auch hier lastet der Konkurrenzdruck schwer.
Die erste Einübung ins Wissensspiel findet in der Schule statt. Wer anschließend im Studium gelernt hat, welche Fragen und Antworten es heute gibt und früher gab, wer darüber hinaus weiß, wie neue Fragen formuliert, Antworten begründet und bewiesen oder aber wiederum in Frage gestellt werden, kann sich getrost zur Prüfung anmelden, zum Profispiel - vorausgesetzt natürlich, sie oder er hat sich die genannten Fähigkeiten beizeiten bescheinigen lassen. Denn bei der massenhaften Vorbereitung auf das Wissensspiel sind bürokratische Hürden fast so hoch wie die im Spiel. Entgegen aller Panikmache erweisen sich die Prüfungsfragen als das reinste Kinderspiel, soweit sie gut vorbereitet wurden. Allerdings haben es die Prüfer nach Lage der Dinge durchaus in der Hand, die Kandidaten mit ein paar verfänglichen Fragen hereinzulegen. Da hört dann das Kinderspiel auf.
Überhaupt ist das Glasperlenspiel der Gelehrten nicht so frei von Gewalt, wie es manchmal den Anschein hat, sei die Gewalt auch noch so nachweislich dem höheren Ruhm der Wissenschaft geweiht. Die Befragung der Natur verfolgt nämlich Ziele und beschreitet Wege, die zur Zeit der Hexenprozesse und des Spießrutenlaufens nicht weiter auffielen, heute aber doch ein wenig ins Zwielicht geraten. Zweck sehr vieler Forschungsstätten ist es, neue Waffen zu entwickeln und alte zu 'verbessern'.
Außer den Zwecken sind auch nicht alle Mittel der Weißkittel heilig. Nicht von ungefähr hat das Experiment Ähnlichkeit mit dem peinlichen Verhör im Gerichtsverfahren der finsteren Zeitalter. Die Anfänge der exakten Wissenschaft fallen in die Zeit der Daumenschrauben und Feuerproben. In der Folterkammer wie im Labor werden gezielte Maßnahmen ergriffen, das 'Material' zum Sprechen zu bringen. Das kann ein Stein, ein Stück Holz, ein Tier oder ein Mensch sein.


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